edition January/February 2020

Mit der Zukunft arbeiten

Ein Gespräch mit der TanzZeit-Leiterin Livia Patrizi, der Choreografin Elisa Zucchetti und der Lehrerin Martina Multhaup-Gerz über Tanz in Schulen und das Online-Tool Calypso.

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Trio für den Tanz in Schulen: Martina Multhaup-Gerz, Livia Patrizi und Elisa Zucchetti (v.l.) © Elena Philipp

Seit bald 15 Jahren bringt der Verein TanzZeit zeitgenössischen Tanz an Berliner Schulen – vom dreistündigen Intensivkurs, in dem gezielt fachliche Inhalte des Lehrplans mit Bewegung vermittelt werden, bis zur Entwicklung eines Tanzprofils für eine Schule. Aus der langjährigen Praxis hat TanzZeit, in Kooperation mit Schulen und finanziert von der Stiftung Mercator, das digitale Praxistool Calypso entwickelt. Calypso unterstützt Künstler*innen und Lehrer*innen dabei, qualitätsvolle Tanzprojekte an Schulen umzusetzen. Online finden sich Arbeitsmaterialien wie Musik für den Tanzunterricht, Porträts von Choreograf*innen, ein ‚Klassenscan‘, mit dem man die Fähigkeiten und Interessen einer Klasse einschätzen kann, oder Leitfäden zur Zusammenarbeit. Welche Erfahrungen in die Entwicklung von Calypso eingeflossen sind und was sich mit Tanz in Schulen erreichen lässt, erzählen die TanzZeit-Gründerin und -Leiterin Livia Patrizi, die Tänzerin und Choreografin Elisa Zucchetti sowie Martina Multhaup-Gerz, Lehrerin an der Kreuzberger Fichtelgebirge-Grundschule, die Calypso mit entwickelt haben.

Elisa Zucchetti, Sie engagieren sich seit sieben Jahren in TanzZeit-Projekten. Martina Multhaup-Gerz, Ihre Schule hat vor zwölf Jahren zum ersten Mal mit TanzZeit kooperiert. Welche Momente bleiben in Erinnerung?

Elisa Zucchetti:In einem Projekt mit einer besonders schwierigen Klasse – hohes Aggressionspotenzial, die Kinder haben gemacht, was sie wollten – haben wir ein Duett mit zwei tollen Jungs choreografiert. Das war unser Perlmoment. Und dann kommt der eine der beiden nicht zur Aufführung! Zu meiner Überraschung meldete sich Mohammed, der Tanzen peinlich fand: Ich kann das tanzen, für Abdul. Ich hab mir gedacht: Egal wie das wirkt, er muss das machen. Und er hat das gemacht. Seine körperliche Kondition war anders, er konnte nicht alles umsetzen, aber er hat das für sich in zehn Minuten übertragen. Das war mein Erfolg in dem Schuljahr.

Martina Multhaup-Gerz: Ein anderes Beispiel hat mich auch viel Schweiß gekostet, aber danach waren wir sehr glücklich. In einer Gruppe war ein autistischer Junge dabei, der bei den Proben mitgetanzt hat, aber sich in seinem Körper nicht wohl fühlte. Kurz vor der Aufführung wollte er das Kostüm, ein Jackett, nicht anziehen. In der Choreografie brauchte aber jeder sein Gegenüber, und so habe ich zu ihm gesagt: Du kannst auch ohne Jackett auf die Bühne gehen, aber die Gruppe braucht dich. Es hat in ihm gearbeitet – er stand auf, zog das Jackett an und ging tanzen. Wie schön war das, sagten danach alle, weil er sich sonst oft rauszieht. Und er war sehr stolz! Das sind Prozesse, die stärken die Klassengemeinschaft; man kann sich gar nicht vorstellen, was das bedeutet.

Inwiefernhaben Erfahrungen wie diese Eingang in Calypso gefunden?

Livia Patrizi: Diese Beispiele zeigen, dass der Kontext Schule ganz eigen ist und dass Dinge passieren, die bei einer Probe mit Profis nicht passieren. Von künstlerischen Kriterien für gute Komposition auszugehen, reicht nicht. Bei der Entwicklung der Qualitätsmaßstäbe für Calypso haben wir daher zu Schlüsselbegriffen aus der Bildung – zum Beispiel Sichtbarkeit, Anschlussfähigkeit, Selbstkompetenz – Kriterien entwickelt, die sich in der Mitte befinden zwischen dem künstlerischen Interesse der beteiligten Choreograf*innen und dem sozialen Raum der Kinder und Lehrer*innen. Sichtbarkeit wurde zum Beispiel zu einer ästhetischen Prämisse: dass man jedes Kind und seinen Gestaltungswillen sehen soll. In Unisono-Choreografien zum Beispiel sind die Kinder weniger zu sehen mit Ihren individuellen Qualitäten – das ist für uns im Prozess deutlich geworden. In Schulklassen arbeiten wir also eher in kleinen Gruppen, mit Soli oder Duetten. Man sieht auch sofort, wenn Kinder auf der Bühne etwas machen, bei dem zwar die Form stimmt, das aber nicht ihr Eigenes ist. Im Sinne der Selbstermächtigung ist es wichtig, dass die Tanzvermittler*innen den Schüler*innen Verantwortung übertragen.

Was können Schüler*innen bei Tanzprojekten lernen, vom Tanzen abgesehen?

Martina Multhaup-Gerz: Die Künste sind für mich die Grundlage einer guten Schaffensbedingung an der Schule. Die Erdung mit dem Körper ist das A und O am Morgen. Wenn ich über die Künste reingehe, kann ich auch fast alle schulischen Inhalte vermitteln: Wir können in Naturwissenschaften Explosionen tanzen oder in Mathe Strecken schreiten. Alles, was die Schüler*innen mit dem Körper oder auch musikalisch erfahren, sitzt unglaublich gut.

Um gleich noch eine 'große' Frage zu stellen: Welche gesellschaftliche Relevanz haben Tanzprojekte an Schulen?

Elisa Zucchetti: Tanz und seine Vermittlung ist indiesem Moment für unsere Gesellschaft, in der der Körper an letzter Stelle steht, so wichtig. Ich fühle die Verantwortung, die Botschaft zu überbringen, dass wir den Körper vergessen haben und dass Tanz das Mittel ist, um wieder mit dem Körper zu denken.

Martina Multhaup-Gerz: Selbständigkeit, Verantwortung, Demokratie spielen bei Tanz in Schulen eine ganz große Rolle. Bei der Choreografie ist es entscheidend, dass jede*r auf jede*n achtet. Das brauchen wir, in der Schule, aber auch in der Welt.

Elisa Zucchetti: Mohammed, der für Abdul eingesprungen ist, hat erkannt, wie wichtig es in dem Moment war, Verantwortung für seine Klasse zu übernehmen.

Martina Multhaup-Gerz: Solche Erlebnisse sind die absoluten Highlights.

Elisa Zucchetti: Ja, manchmal, wenn ein Projekt nicht gut läuft, ist man verzweifelt – und manchmal fühlt man sich als Teil von allem und begreift, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen und gemeinsam segeln müssen. Ich sehe in diesen unterschiedlichen Gruppen von Kindern auch unsere Zukunft, unsere Chancen und Probleme als Gesellschaft. Das ist für mich vielleicht der wichtigste Grund für mein Engagement bei TanzZeit: dass wir mit der Zukunft arbeiten.

 

Wieist Calypso entstanden?

Livia Patrizi: Die Mercator Stiftung hat uns 2015 gefragt, für das Projekt Kunstlabore unser Wissen zu digitalisieren. Der Auftrag war, (Lehr-)Material aus der Praxis für die Praxis zu entwickeln und unter einer Creative Commons-Lizenz allen online zur Verfügung zu stellen. Es war ein Geschenk, drei Jahre lang Zeit zu haben, um Neues zu entwickeln und in einer Gruppe kollektiv zu reflektieren. Wir haben im Entwicklungsprozess alles ausdiskutiert. Es ging nicht um eine Mehrheitsentscheidung, sondern um Multiperspektivität. Auch wer allein steht, hat etwas Wichtiges zu sagen. Das war nicht nur eine Arbeitsweise, sondern eine Denkweise – man denkt anders im Kollektiv. Man muss die Perspektive von mehreren einfangen und es entsteht etwas, was alleine nie entstanden wäre.

Elisa Zucchetti: Der Auftrag an uns Künstler*innen war, zu experimentieren, Materialien mit in die Schule zu nehmen und auszuprobieren, ob sie funktionieren. Die große Arbeit war für mich die Analyse, das Systematisieren eines Instinkts. Ich habe Erfahrung mit Tanz an Schulen, aber ich bin keine ausgebildete Pädagogin. Gemeinsam haben wir nach einer Basis gesucht, die wir alle teilen – Künstler*innen, Lehrer*innen, TanzZeit-Mitarbeiter*innen, Schüler*innen.

Livia Patrizi: Genau, das war die Haltung dahinter. Calypso ist kein Rezept und keine Methode, sondern wir wollten Anregungen geben, ein offenes System entwickeln, wie eine Schatztruhe, in der man suchen und etwas finden kann, aus dem man dann etwas ganz Neues entstehen lassen kann.

 

Kann mithilfe der Materialien jede*r ein Tanz an Schulen-Projekt selber machen oder sollte der Prozess fachlich begleitet werden?

Livia Patrizi: Das kommt darauf an. Calypso ist ein Arbeitstool und keine Informationswebseite zum schnellen Stöbern. Dafür gibt es unsere Seite „Tanz bewegt Schule“ auf kunstlabore.de [ https://kunstlabore.de/tanz/ ]. Die Nutzer*innen sollten sich die Zeit nehmen, um einzutauchen. Denn jedes Mal, wenn wir Calypso ausführlich vorgestellt haben, konnten die Nutzer*innen sich danach viel schneller selbst im System zurechtfinden. Ab September 2020 bieten wir analog-digitale Weiterbildungsmodule für Künstler*innen und/oder Lehrer*innen an. Damit gibt es die Möglichkeit, vorbereitende Einheiten des Selbststudiums mit praktischen Modulen zu verbinden. Die wiederum können hinterher durch das Material in Calypso vertieft und ausprobiert werden. Außerdem haben wir analoge Materialien in Form von Kartensets entwickelt, die konkret in den Schulklassen eingesetzt werden können. Die analogen Materialien werden bei der Weiterbildung auch eine Rolle spielen. Was das Selbermachen betrifft: Calypso ist so anschlussfähig wie möglich formuliert, aber es setzt doch ein spezifisches Tanzwissen voraus.

Martina Multhaup-Gerz: Man braucht die TanzZeit. Eins zu eins kann man die Anregungen nicht übertragen. Calypso ist für Profis, die schon eine Idee haben, wie ihr Tanzprojekt aussehen soll, und ermöglicht es, den Schaffensprozess zu strukturieren.

 

Auf welchen Grundlagen beruht Calypso?

Livia Patrizi: Calypso beinhaltet sieben Ziele – Kooperieren, Interessieren, Kennenlernen, Thematisieren, Reflektieren, Choreografieren, Abschließen – und bietet dazu Materialien. Die sieben Ziele stellen eine Art Chronologie dar, eine Zeitachse, aber wir haben sie in einen Kreis gelegt, denn bestimmte Prozesse kommen immer wieder. Wir etablieren am Anfang eines Schulprojekts eine Kooperation, aber es ist wichtig, die Zusammenarbeit auch zwischendurch zu überprüfen. Angepasst haben wir für uns außerdem ein Modell aus der Kommunikationswissenschaft, das 6W-Modell: WER vermittelt WAS, WIE an WEN, WO und mit WELCHER WIRKUNG? Qualität kann nur entstehen, wenn man alle Einflussfaktoren aufeinander bezieht und die Wechselwirkungen immer wieder nachjustiert.

 

Elisa Zucchetti, Tanzprojekte in Schulen sind ein Kompromiss zwischen Kunst und Sozialem. Wie gehen Sie damit um?

Elisa Zucchetti: Es ist ein Kompromiss, ja, aber es ist für mich künstlerisch immer wieder spannend, mit den Kindern ein Thema zu finden und mit dem, was ich sehe, meinen persönlichen künstlerischen Wunsch zu formulieren. Ihn nehme ich mit in die nächste Unterrichtsstunde und teste, wie mein Wunsch bei den Kindern ankommt und was ich zurückkriege – dadurch ändert sich manchmal mein Wunsch. Das ist eine gesellschaftliche Vorgehensweise. Künstler*innen, finde ich persönlich, sollten zurücktreten und eine Tür aufmachen, einen Raum lassen. Ich denke oft, es ist mein Ziel, ein Haus zu bauen. Das Haus selbst sieht man nicht, aber man sieht durch das Haus, was darin ist, welche Farben, welches Leben. Nicht wie bei einem Gebäude, das nicht zum Platz passt, auf dem es steht, und das innen leer bleibt, weil die Beziehung nicht stimmt. Das ist für mich ein schlechtes Beispiel, so sollte es nicht sein. Das Haus sollte verschwinden und das Leben in seinem Inneren glänzen lassen.

Livia Patrizi: Wenn das Haus verschwindet, ist das, was drin ist, mehr in Verbindung mit dem, was außen herum ist, mit der Gesellschaft?

Elisa Zucchetti: Ja. Bei dem, was Du baust, zum Beispiel eine Choreografie, sollte nicht der persönliche Wunsch im Vordergrund stehen, ohne Beziehungen zum Außen. Der Wunsch muss sich anpassen. Wenn Du eine Gruppe Kinder oder eine Klasse triffst, ist Dein Wissen als Choreograf*in nur dafür da, dass die Gruppe ein Licht bekommt und die Chance, einen Ausdruck zu entwickeln.

Livia Patrizi: Worin besteht da für Dich der Kompromiss?

Elisa Zucchetti: Ich liebe Präzision auf der Bühne, ich bin unter anderem ein Ballett-Fan. Diese Feinheit kriege ich nicht von den Kindern…

Martina Multhaup-Gerz: Aber Du bekommst viele Fähigkeiten, wenn Du mit den Kindern gut übst und sie begleitest. Der Einzelne, das Individuum, entwickelt unglaubliche Qualitäten.

Livia Patrizi: Der Kompromiss ist die Genauigkeit? In einer Gruppe von Erwachsenen ist der Prozess der gleiche, aber bei der Genauigkeit ist es nicht das Gleiche, mit Laien zu arbeiten.

Elisa Zucchetti: Das ist nicht das Gleiche, ja. Ich benutze auch eine andere Sprache.

Martina Multhaup-Gerz: Mit den Kindern muss man eine ganz andere Ebene finden, um sie zu begleiten.

Elisa Zucchetti: Da habe ich ganz viel gelernt! Zum Beispiel: Wie genau ist meine Vermittlung?

Martina Multhaup-Gerz: Du musst Impulse setzen und die Phantasie anregen.

Elisa Zucchetti: Ja, und diese Formulierungen habe ich von den Kindern gelernt.

 

Mitunter gibt es Vorbehalte gegen Vermittlung: sie beschneide die Kunst. Was entgegnen Sie darauf?

Livia Patrizi: Vermittlung ist ein breiter Begriff, den jeder ein bisschen anders versteht. In der Diskussion über ein mögliches Tanzvermittlungszentrum beim Runden Tisch Tanz 2018 hat sich herausgestellt, dass die Tanz-Tanz-Szene Vermittlung überwiegend versteht als einen Teil des Produktionsbetriebs, als das, was die Häuser machen oder was angedockt ist an eine Produktion. In unserem Fall ist ein*e Tanzvermittler*in eher jemand, der oder die im gesellschaftlichen Raum agiert, also genauso künstlerische Ansprüche hat wie professionelle Künstler*innen, aber an Schulen arbeitet. Das ist ein anderer Ort. In Berlin gibt es viele Vermittlungs-Initiativen – die Projekte von Jo Parkes mit Geflüchteten, Projekte in Altersheimen oder mit Alzheimer-Patient*innen. Die Künstler*innen, die in diesem Bereich arbeiten, brauchen auch einen Austausch-Ort, eine Sichtbarkeit, eine Wahrnehmung. In Frankreich sind sie viel weiter, da war Vermittlung in den gesellschaftlichen Raum schon immer gekoppelt an Produktionen. Berühmte Choreograf*innen haben die Rechte an ihren Arbeiten freigegeben für Amateure, damit eine Kindergarten- oder Schulgruppe ihre Werke rekonstruieren kann. Warum machen sie das? „May B“ von Maguy Marin, getanzt von einer 8. Klasse, ist nach ästhetischen Kriterien vielleicht nicht zu bewerten, aber man transportiert damit Wissen über Tanz in die Gesellschaft – indem die Menschen selber tanzen. Das Transportmittel für Tanz ist, dass man selbst tanzt. Dass man es einmal durchgekaut hat. Denn es gibt kein gemeinsames Alphabet für diese Kunstform.

Der andere Grund für gelegentliche Vorbehalte hat mit einer politischen Konjunktur zu tun, seit Vermittlung so in geworden. ist. Bei einer Kunstform wie dem Tanz, die so wenig Mittel hat, wird das als Konkurrenz gesehen. Das ist aber ein bisschen kurzfristig gedacht: Tanz hat keine Lobby. Bei Vermittlungsprojekten geht es auch darum, dass Menschen durch eine Annäherung an Tanz zwar nicht zwingend alle Tänzer*innen und/oder Choreograf*innen werden, aber Tanz zu verstehen und zu lieben lernen und ihn später vielleicht fördern. Der Banker, der als Jugendlicher in einer Band gespielt hat, wird später eher ein Musikprojekt finanziell unterstützen. Abgesehen von den Künstler*innen, denen es Spaß macht und die das Recht haben, dass Vermittlung als Beruf anerkannt wird, ist sie auch für den Tanz von morgen wichtig.

Kunst und Vermittlung greifen ineinander. Deshalb ist es für mich schwierig zu verstehen, dass Vermittlung abgelehnt wird. Für viele Künstler*innen ist ihre Tätigkeit an Schulen ein Weg, Politik zu machen. Ich komme auch aus der Tanz-Tanz-Welt und habe mich auch lange nicht für Vermittlung oder Tanz an Schulen interessiert, aber ich habe später verstanden, dass mir TanzZeit die Möglichkeit gibt, mit meinen Mitteln politisch zu sein. Auch gibt es Künstler*innen die Möglichkeit, die Welt anders kennenzulernen. Eine Brennpunktschule in Neukölln ist wie eine andere Gesellschaft. Wer dauerhaft damit konfrontiert ist, macht das zu einem Teil seines Wissens. Man muss anerkennen, dass Künstler*innen das machen wollen. Ein Vermittlungszentrum kann deswegen auch spannend sein – es kann kontrovers bleiben, andere Formen der Reflexion auslösen.

 

Elisa Zucchetti, Sie haben vorhin davon gesprochen, dass Sie in den Klassen unsere Zukunft ahnen. Was sind, aus Sicht Ihrer Praxis, unsere Probleme und was unsere Chancen als Gesellschaft?

Elisa Zucchetti: Die große Stärke, die mir einfällt, ist die Vielschichtigkeit und die Mischung an Kulturen, Sprachen und Menschen. In Berlin ist das wirklich besonders. Die große Schwäche ist die Trennung zwischen den Talenten. Wir lassen nicht zu, dass Kinder sich gegenseitig unterstützen. In den sonderpädagogischen Förderzentren häufen sich die Problematiken: körperliche, soziale, geistige. Dort unterrichte ich zwei Gruppen mit je zwölf Kindern. Zu zweit ist das manchmal nicht zu schaffen. Wie minimiert die Möglichkeiten sind, die diese Kinder haben, um sich zu entwickeln, wenn sie aus der Schule herauskommen, ist erschütternd. Die Stärke daran ist, dass tatsächlich ganz viele Leute das nicht wollen, dass es viele Kämpfer*innen dagegen gibt – und ganz viel Liebe an den Schulen.

 

Weitere Informationen:

Calypso entstand im Rahmen des Projektes „Kunstlabore“ der MUTIK gGmH, gefördert durch die Stiftung Mercator. Erfahrene Partner*innen aus den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik, Tanz und Theater erprobten im Rahmen der „Kunstlabore“ künstlerische Formate und Methoden mit Schulen. Die Ergebnisse stehen unter freier Lizenz (OER) auf www.kunstlabore.de zur Verfügung.

„Tanz bewegt Schule“ unter https://kunstlabore.de/tanz/

Mehr zu Calypso unter http://calypso.tanzzeit-berlin.de

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