edition Novermber-December 2022

Gefährdetes Erfolgsmodell

Seit fünfzehn Jahren bildet das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz Berlin Tänzer*innen und Choreograf*innen aus; eine strukturelle Stärkung ist nun dringend nötig.

Künstlerische Aktion auf dem Hof des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz im Jahr 2014. Foto: Mira Hirtz

Text: Nik Haffner
Künstlerischer Direktor HZT Berlin

Was steht auf dem Spiel? Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz Berlin hat seit seiner Gründung im Jahr 2006 als ein Pilotprojekt des Tanzplan Deutschland, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die lokale und internationale Tanzszene aktiv mitgestaltet. Dem großen Engagement der Lehrenden, Studierenden und des Teams des HZT sowie dem strategischen Geschick der Trägerhochschulen UdK Berlin und HfS Ernst Busch ist es zu verdanken, dass es in Berlin gelungen ist, mit dem HZT ein erfolgreiches und international führendes Ausbildungsinstitut für Tanz, Choreografie und Performance zu etablieren.

Mit dem Netzwerk TanzRaumBerlin hat das HZT einen einzigartigen Kooperationspartner. Das HZT und die Studierenden profitieren von dieser beruflichen Praxisnähe und Vernetzung – nicht zuletzt durch inspirierende Begegnungen am HZT Campus Uferstudios im Wedding, wo Studierende und Lehrende Tür an Tür mit Künstler*innen und Organisationen der freien Tanzszene arbeiten. Das Netzwerk und die Tanzmetropole Berlin gewinnen durch die HZT-Kooperationen und die Projekte der Absolvent*innen an Strahlkraft. Mit seiner Verankerung an zwei Hochschulen in Kooperation mit dem TanzRaumBerlin Netzwerk wird das HZT international als überaus innovatives, impulsgebendes Modell anerkannt.

Am HZT studieren rund 80 Künstler*innen in drei Studiengängen auf Bachelor- und Master-Niveau. Es lehren am Zentrum international anerkannte Künstler*innen und Theoretiker*innen, ohne die die hohe Qualität in der Lehre und die Kooperationen mit lokalen und internationalen Partnern nicht zu erreichen wäre. HZT-Lehrende stimulieren durch ihre Expertisen und Forschungsschwerpunkte das Verhandeln körperbasierter Kunstpraxis in Beziehung zu Themen wie Krieg, Klimawandel, Disability Arts oder Stadtraumentwicklung.

Dem Zentrum droht jedoch der Verlust seiner Lehrenden, da es im nationalen und europäischen Vergleich keine ausreichend adäquaten Bedingungen in Lehre und Forschung bieten kann. Das schmerzt um so mehr, als über 95 Prozent der HZT-Absolvent*innen dauerhaft und weltweit in künstlerischen Bereichen arbeiten – eine signifikant hohe Quote für ein künstlerisches Studienprogramm.

Die Erfolgsgeschichte des HZT ist nicht selbstverständlich. Das HZT braucht jetzt eine substanzielle strukturelle Stärkung und mutige politische Entscheidungen, die es ermöglichen, die Arbeit des Zentrums weiterzuentwickeln. Aktuell steht das HZT vor großen Herausforderungen. Eine vergleichende Analyse mit anderen Hochschulprogrammen für Tanz und Choreografie und interne Evaluierungen konstatieren neben großen Erfolgen auch gravierende strukturell-defizitäre Ressourcen in der personellen Aufstellung, die das Erreichte gefährden.

Das Erreichte mit und am HZT gilt es zu bewahren und weiterzuentwickeln. Die Leitungen von HZT und seinen Trägerhochschulen UdK Berlin und HfS Ernst Busch werden in kommenden Verhandlungen alles daran setzen, die fehlenden Ressourcen auszugleichen, die es dringend braucht, um der einzigartigen Erfolgsgeschichte des HZT Berlin eine stabile Fortsetzung zu ermöglichen. Jede Art der Unterstützung aus der Politik ist willkommen – das HZT braucht sie jetzt mehr denn je.

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