Residenzen

Für eine Weiterführung des Pilotprojekts Berliner Residenzförderung Tanz

Mitteilung des Netzwerks TanzRaumBerlin und Orte der Pilotphase 2020/2021

Auf der Grundlage der Ergebnisse des Runden Tisch Tanz und weiterführender Arbeitsgruppen mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde 2019 als strukturelle Verbesserung für die Berliner Tanzszene die Einführung eines Residenzprogramms beziehungsweise einer Residenzförderung empfohlen. Das Gesamtfördervolumen für die Pilotphase 2020/2021 betrug 602.000 € und wurde an neun Berliner Produktionsorte vergeben, die auf der Grundlage individueller Residenzangebote von einer Fachjury ausgewählt wurden. Die Orte ada Studio, ausland, FELD Theater für junges Publikum, Flutgraben (Performances), LAKE Studios Berlin, radialsystem, Sophiensaele, Tanzfabrik Berlin und Uferstudios GmbH haben innerhalb eines Zeitraums von 1,5 Jahren Berliner Tanzkünstler*innen mit Räumen und intensiver Begleitung von Arbeitsprozessen unterstützt, die Künstler*innen erhielten im Rahmen der Residenzprogramme darüber hinaus Stipendien.

Mit dem Residenzprogramm wurde in Verknüpfung mit anderen Programmen, wie etwa der Tanzpraxis, eine Förderlücke für freischaffende Choreograf*innen und Tänzer*innen geschlossen, die bereits vor dem Ausbruch von Covid 19 offensichtlich wurde und sich unter dem Brennglas der Pandemie noch dramatischer gezeigt hat. In der vorhandenen Förderstruktur wird nach wie vor ein Großteil der Arbeitsprozesse von Künstler*innen nicht berücksichtigt. Mit den Residenzprogrammen wurden entsprechend insbesondere vorkonzeptionelle Arbeits- und Recherchephasen adressiert während derer notwendige Auseinandersetzungen mit dem Körper, einem spezifischen Material, den Mitteln der Bühne bzw. einer ästhetischen oder inhaltlichen Fragestellung stattfinden können. Es sind gerade diese Zwischenphasen, die ein kontinuierliches künstlerisches Arbeiten erst ermöglichen. Zeit und Raum und eine Vergütung (Stipendium) sind dabei essentielle Ressourcen für die künstlerische Entwicklung.

Wir empfehlen daher dringend die Weiterführung des Pilotprojekts und letztlich auf der Basis einer Evaluierung die Verstetigung des Berliner Residenzprogramms Tanz. Bereits jetzt lässt sich feststellen, dass das Programm Leuchtturmcharakter hat und über die Grenzen Berlins hinweg eine Strahlkraft und selbst in Zeiten von Corona eine größere Sichtbarkeit für Berliner Tanzschaffende entwickelt. Die Besonderheit liegt dabei insbesondere einerseits in der Vielfalt der Angebote der dezentralen Berliner Tanzorte und gleichzeitig in den Synergien, die sich durch die enge Kooperation und Kommunikation zwischen den Residenzorten ergeben. Als Konsequenz sind neben Wissenstransfers zwischen den Orten und Residenzteilnehmer*innen auch insbesondere neue Zugänge zu unterschiedlichen Institutionen für die Berliner Tanzszene entstanden. Die Wichtigkeit des Programms zeigt sich auch in der hohen Nachfrage und der durchweg positiven Resonanz von Seiten der Künstler*innen: In unterschiedlichen Open Calls und Bewerbungsverfahren gingen ca. 800 Bewerbungen ein, bis zum Auslaufen der Pilotphase Ende 2021 werden ca. 90 Künstler*innen mit Stipendien bedacht worden sein, eine weitaus höhere Zahl von Künstler*innen wird darüber hinaus als Mitwirkende, Dialogpartner*innen usw. durch Honorare vom Residenzprogramm profitiert haben.

Eine Unterbrechung des Residenzprogramms wäre ein fatales Signal, und würde jene Konzepte und Kontinuitäten, die im Rahmen dieses Programms gerade erst entstanden sind und die wegweisend für eine notwendige und äußerst fruchtbare Arbeitsweise für tänzerisches Schaffen ist, jäh beenden. Um im Jahr 2022 Residenzen anbieten zu können, benötigen wir spätestens im Herbst diesen Jahres ein deutliches Signal. Entsprechend könnten ab März 2022 Residenzen an Berliner Tanzorten geplant werden.

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Berlin, 06.09.2021

Die Orte der Pilotphase Residenzförderung Tanz 2020/2021: ada Studio, ausland, FELD Theater für junges Publikum, Flutgraben (Performances), LAKE Studios Berlin, radialsystem, Sophiensaele, Tanzfabrik Berlin, Uferstudios GmbH und das Netzwerk TanzRaumBerlin (ada Studio Berlin, Constanza Macras | Dorky Park, fabrik Potsdam, HALLE TANZBÜHNE BERLIN / cie. toula limnaios, HAU Hebbel am Ufer, Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin, LaborGras, Lake Studios Berlin, Mime Centrum Berlin, Mobile Dance e.V., PURPLE - Internationales Tanzfestival für junges Publikum, radialsystem, Sasha Waltz & Guests, Sophiensaele, Staatsballet Berlin, Tanzfabrik Berlin e.V., Tanzforum Berlin, Tanz im August, TanzTangente, TanzZeit e.V., Uferstudios, Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V.)

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