Aktuelles aus Berlin

Hauptstadtkulturfonds

Für den Erhalt eines Tanzschwerpunkts

Stellungnahme von Netzwerk TanzRaumBerlin, Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V. (ZTB) und Tanzbüro Berlin

Der Senatsbeschluss für den Doppelhaushalt 2020/21 sieht die Auflösung der Regelförderung im HKF für die Compagnie Sasha Waltz & Guests in Höhe von 875.000 € vor. Gemäß Zusage gegenüber dem Bund übernimmt das Land Berlin diesen Ansatz ab kommendem Jahr aus dem Kulturetat des Landes Berlin und stockt den Titel 68328 für Sasha Waltz & Guests entsprechend auf. Dieser Schritt ist zu begrüßen und wurde seit vielen Jahren gefordert. Zugleich sollte dieser Betrag von 875.000 € unbedingt weiterhin für einen Tanzschwerpunkt im HKF verfügbar gemacht werden.

Aus den zwei HKF-Vergaberunden des Jahres 2018 für künstlerische Umsetzungen im Jahr 2019 erhielt der Tanz insgesamt 3,2 Millionen €. Darin als Regelförderung 875.000 € für Sasha Waltz & Guests und 750.000 € für das Festival Tanz im August. Somit gingen an den Tanz rund eine Hälfte über freie Projekte (1,56 Millionen €) und eine Hälfte über zwei Regelförderungen (1,63 Millionen €). Bei einem Gesamtvolumen von 15 Millionen € entsprach dies in den beiden Förderrunden des Jahres 2018 einem Anteil der Sparte Tanz von 21%. Während der HKF erfreulicherweise ab 2018 deutlich um 5 Millionen € aufgestockt wurde und damit auch mehr Tanz gefördert werden konnte, hat sich der prozentuale Anteil der Sparte Tanz gegenüber den Vorjahren dennoch merklich verringert und entspricht gegenwärtig dem Wert von 2010 (28% in 2017, 26% in 2016, 24% in 2015, 22% in 2014, 21% im Jahr 2010). Ohne die Gelder der Regelförderung für die Compagnie Sasha Waltz & Guests wäre die Sparte Tanz im Jahr 2019 (Vergabe 2018) mit gerade einmal 15% am Gesamtvolumen des HKF beteiligt – ein bitteres Ergebnis ein Jahr nach dem Runden Tisch Tanz!

Der Runde Tisch Tanz wurde ausgehend von der Berliner Koalitionsvereinbarung, den Tanz in der Hauptstadt  substantiell zu stärken, 2018 ins Leben gerufen. In einem beispielgebenden partizipativen Verfahren haben Politik, Verwaltung und über 200 Akteur*innen der Tanzszene gemeinsam strukturelle Defizite benannt und konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Für die Umsetzung des durch den Runden Tisch Tanz erarbeit-eten Entwicklungsprogramms Tanz 2019-2025 stehen die laut Senatsbeschluss für den kommenden Doppel-haushalt eingestellten Gelder (700.000 €) jedoch in eklatanter Differenz zum ermittelten Bedarf. Dies wurde von allen kulturpolitischen Sprecher*innen des Landes Berlin in den aktuell laufenden Haushaltslesungen be-tont. Auch die durch die Regierungskoalition beantragte Aufstockung um 300.000 € (2020) und 495.000 € (2021) wurde von den Abgeordneten in der 2. Lesung des Kulturausschusses einstimmig als deutlich zu gering eingeordnet. Dies nicht zuletzt deshalb, da der Tanz in Berlin – obwohl er maßgeblich zur internationalen Strahlkraft der Hauptstadt als Kunstmetropole beiträgt – in vergleichsweise geringem Maße strukturell gefördert wird und die Sparte überproportional von Projektförderungen abhängig ist (laut Bestandsanalyse des Runden Tisches Tanz beträgt bis 2017 der Anteil der Kunstform Tanz am Kulturetat des Landes Berlin 3,2%, ohne das Staatsballett Berlin nur 1,4%).

Der Tanz fordert seit vielen Jahren eine Anerkennung seiner Eigenständigkeit als künstlerische Sparte! Nach einem partizipativen Prozess, der von der Berliner Politik, Verwaltung und Szene gleichermaßen als einmalig gefeiert wurde, muss sich etwas ändern. Der Runde Tisch Tanz hat mit hoher Expertise ein Paket sinnvoll ineinandergreifender Maßnahmen erarbeitet, um den in der Hauptstadt quasi nicht institutionell geförderten Tanz in sämtlichen Säulen aufzubauen. Projekte, die sich im kommenden Doppelhaushalt nicht über den Landeshaushalt realisieren lassen, die aber nationale und internationale Strahlkraft haben, können durch die Auflösung der Regelförderung von Sasha Waltz & Guests über den HFK gestartet werden. Dies wäre ein wichtiges kulturpolitisches Zeichen des Bundes, um die Vorreiterrolle der Hauptstadt – hier explizit durch die Anerkennung der Sparte Tanz – herauszustellen.

Wir fordern die Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses des Hauptstadtkulturfonds auf, dafür zu sorgen, dass der Betrag von 875.000 € auch künftig dem Tanz zur Verfügung steht.


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